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Gegenwart

A Jewish miracle-worker, a Lebanese resistance fighter and an anarchist punk-band try to change a light bulb. No, no. They try to change the world. A story which ends: …and it started raining on the weary land. A biography which starts: I was born in Beirut. A song that goes: I get knocked down, but I get up again. Tonight I summon three spirits of deed: Honi the Circle-drawer, Souha Bechara and Chumbawamba. I call for them. Who am ‚I‘? Your medium, a story-teller, a witness, a vessel, a translator, a quote, a representation, a lecturer getting too close to her object(s) of study. 

Li Lorian (Jerusalem/Gießen) arbeitet in den Feldern Theater, Video, Bildende Kunst, sowie als Performerin. In ihrem künstlerischen Prozess untersucht sie visuelle Sprache und neue Praktiken der Performance. Dabei interessiert sie sich insbesondere für politische Situationen und dafür, wie dokumentarische Elemente in poetische Mittel überführt werden können. 

During this workshop we will use the confusion that comes out of our self-conception as material for improvisation: thinking-out-loud what we think we are while working out what we are doing. The modern liberal idea is collapsing and the freedom that it represents is put into question. In a polarised environment it makes sense to bring back the social questions of improvisation, precisely in order to understand what we mean by freedom and to ask who can exercise this freedom. At the end of the workshop we will do a collective concert testing some of the ideas developed through the workshop. 

Mattin (Bilbao/Berlin) setzt sich in seinen Live-Performances, Aufnahmen und Texten mit den sozialen und ökonomischen Bedingungen experimenteller Musik auseinander. Die Improvisation untersucht er auf ihre einzelnen Parameter – wie etwa die Idee der Freiheit – hin, um die Konventionen dieses Genres auszutesten.

In diesem Online-Workshop setzten wir uns mit den besonderen Eigenschaften von Game-Theater auseinander. Wie verändert sich die Dramaturgie theatraler Abläufe, wenn Interaktion und Partizipation sich auf die Narration auswirken? Welches Potential steckt in Bezug auf die Audience Agency hinter diesen multilinearen Erzählanlässen und was bedeutet dies für die Entwicklung dieser spielerischen Ansätze?

Im praktisch aufgebauten Workshop werden ausgewählte Arbeiten der Medien-Theater-Gruppe machina eX analysiert und selbstständig an exemplarischen Game-Theater-Prototypen gebaut. Der Fokus liegt dabei auf die gegenwärtig viel zitierte analog-digitale Schnittstelle und sucht nach Formaten, welche unterschiedliche digitalen Kommunikationsmittel für die Aufführung nutzt. Wir setzen uns mit Fernsteuerungsmodalitäten auseinander und lernen Strategien und Tools für den Einsatz von Game Design im Theater kennen.

 

Yves Regenass (Dramaturgie, Performance, Regie) hat an der Universität Hildesheim Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis studiert und ist Gründungsmitglied der Medien-Theater-Gruppe machina eX, mit welcher er zahlreiche Produktionen in und ausserhalb Europas realisierte. Von 2013 bis 2017 arbeitete er als Programmdramaturg am ROXY Birsfelden (CH), wo er zahlreiche Produktionen im Bereich Theater, Performance und Tanz begleitete. Seit einigen Jahren lehrt er zum Thema Spiele im Theater etwa an der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel, der Hochschule der Künste in Bern und an vielen weiteren Orten. Mit machina eX hat Yves Regenass den Georg-Tabori-Preis gewonnen, Projekte von ihm wurden u.a. zum Impulse Festival, Theater der Welt und dem Schweizer Theatertreffen eingeladen. 

Der Körper ist das Vehikel unserer Präsenz auf diesem Planeten. Ohne den Körper können wir nichts bewirken, nichts erleben, keine Spuren hinterlassen. Aber auch der Körper wird geformt und beeinflusst von seiner Umwelt – er verlässt die Erde in anderem Zustand, als er gekommen ist. Wie viel Veränderung durchlebt mein Körper im Laufe der Zeit und wie viel Einfluß habe ich selbst auf diese Veränderung? Wie kommuniziere ich mit meinem Körper und wie dieser mit seiner Umwelt? Was teilen wir und wie teilen wir uns mit?

Christine Chu ist Choreografin, Tänzerin und Performerin.

Studierte Modernen Tanz an der Folkwang-Hochschule der Künste und arbeitete viele Jahre mit dem Frauen-Butoh-Ensemble Ariadone von Carlotta Ikeda, des weiteren als zeitgenössische Tänzerin u.a.mit Ingo Reulecke, Kim van der Boon und Rubato. Von 2000 bis 2003 Zusammenarbeit mit der Companhia Paulo Ribeiro, Portugal.

 

Der Focus ihrer künstlerischen und pädagogischen Tätigkeit liegt auf der interdisziplinären Arbeit mit Tanz, Theater und anderen Medien. Der Körper und seine Stofflichkeit sowie die Sublimation derselben bilden das Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit. Ihre Projekte wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. zweimalige Preisträgerin Stuttgarter Theaterpreis. Von 2006 bis 2016 unterrichtete sie im Studiengang ‚Intermediales Gestalten‘ an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

The early-20th-century avant-garde (even before World War I) was driven by ideas of wholeness across music, movement, dance, social housing, furniture design, and architecture, as well as in typography, underpinned by a belief in the significance of archaic forms, expression, and rhythm. What became of this visionary impulse, and how are these ideas reflected in the study and practice of rhythm?

From 2018 to 2021, Judith Siegmund was Professor of Contemporary Aesthetics at the State University of Music and Performing Arts Stuttgart. Prior to that, she held a junior professorship in Design Theory/Aesthetic Theory with a subfocus on Gender Theory at the University of the Arts Berlin (2011–2018), served as a substitute professor in the Department of the History of Philosophy at the Institute of Philosophy, Free University Berlin (2015/16), and held various research and teaching positions at multiple universities and art academies.

Die akustische Verschmutzung der Ozeane durch den Menschen (Schiffsverkehr, Sprengungen, seismische Untersuchungen, Sonar), sowie die Folgen des Klimawandels (Das Eisbrechen, Stürme, Regen) führen zu dramatischen Veränderungen in den komplexen, für uns Menschen schwer wahrnehmbaren Klanglandschaften der Meere. Durch die Störung der tiefen, mittleren und hohen Frequenzbereiche wird die Wahrnehmung kleiner und großer Meerestiere manipuliert und führt zu Veränderungen in deren Bewegungsmuster. Aber es gibt bereits Strategien diesem Phänomen entgegenzuwirken. Doch viele Konzerne weigern sich in neue Technologien zum Schutze der Meere und ihrer Bewohner zu investieren.

Vor diesem Hintergrund wollen wir auf der Basis von Improvisation einen Raum für interdisziplinäre Begegnungen gestalten. Angesprochen sind alle Studierenden des darstellenden Bereichs, der Musik und der bildenden Kunst.

 

Als Vorbereitung sollten alle interessierten Teilnehmer*innen den aktuellen Artikel »Ruhe da unten« von Tina Baier (Süddeutsche Zeitung 7.3.2021) lesen, sich davon inspirieren lassen und Ideen und Materialien sammeln, mit denen die sie dann im Projekt improvisatorisch arbeiten. Der Artikel wird mit der Bestätigung zur Anmeldung verschickt

Thomas Maos bewegt sich zwischen populärer und
experimenteller, komponierter und frei improvisierter Musik. Seit über 20 Jahren arbeitet er mit Musikern, Schauspielern, Theatern, Lichtkünstlern und Tänzern in interdisziplinären
Projekten zusammen. Sein 1999 gegründetes CAMP-Festival war mehrfach im Ausland zu Gast (Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Italien,
Portugal) und wurde 2013 auf die Kunstbiennale in Venedig eingeladen. Für den mehrfach ausgezeichneten Gitarristen (Stipendium Kunststiftung Baden-Württemberg, Schloss
Solitude Stuttgart, Baden-Württembergischer Theaterpreis 2017) steht die Arbeit am Klang im Vordergrund. Seine Leidenschaft ist die elektro-akustische Musik und die Erweiterung des Klangspektrums der akustischen und elektrischen Gitarre. Thomas Maos komponiert und veröffentlicht regelmäßig Tonträger zwischen Song und Klangkunst. Gemeinsam mit dem Musiker Fried Dähn organisiert er die interdisziplinäre Konzertreihe SONIC VISIONS im Kulturzentrum FranzK. Reutlingen. Aktuelle CD »glühen«

In diesem Workshop werden wir das Potenzial von performativen und narrativen Kartografien und sensorischen Kartierungen diskutieren. Wir werden Begegnungen mehrerer Arten durch Übungen des psychogeografischen Gehens, somatische und sensorische Kartierung und partizipatorische Narration untersuchen, als Versuch, Perspektiven mehrerer Lebensformen jenseits der anthropozentrischen Wahrnehmung zu erkunden. Wir werden die urbane Umgebung und die Verbindungen zwischen Menschen, Gebäuden, Objekten, Flora und Fauna lesen, um über Koexistenz, Commons, Gemeinschaften und Fürsorge nachzudenken. Der Workshop besteht aus zwei Teilen, einer Einführung in einer digitalen Landschaft und einer aktiven Untersuchungen im Stadtraum, mit dem Ziel, Choreographien für mehr-als-menschliche Commons zu entwickeln. Der Workshop ist für alle Disziplinen offen. Weitere Informationen werden den Teilnehmern vor dem Workshop zugeschickt.

Sybille Neumeyer (1982; lebt in Berlin) ist eine interdependente Künstlerin und Forscherin mit einem Hintergrund in Kunstgeschichte, Linguistik, Ethnologie und visueller Kommunikation. In ihren Kunstwerken und partizipatorischen Workshops untersucht sie Umweltfragen und Beziehungen zwischen Menschen und Nicht-Menschen. Ihre Forschung schöpft aus verschiedenen Bereichen wie Biologie, Wissenschaftsgeschichte, Anthropologie, Medizin, Geologie und Science Fiction – oft in Zusammenarbeit und im Austausch mit Wissenschaftler*innen – und eröffnet postdisziplinäre Perspektiven für ihre Arbeit. Durch polyphone Kartografien, Installationen, Spaziergänge, performative Vorträge und Videoessays untersucht sie die Schnittpunkte von Biodiversitätsverlust, Klimakrise, Biopolitik und Multispezies-Gesundheit. Aktuelle Projekte sind »souvenirs entomologiques« für »Critical Zones – Horizonte einer neuen Erdpolitik«; ZKM Karlsruhe (2020) und »Polyphone Begegnungen – eine narrative Kartierung des Virus« im Rahmen von »Contagious Cities: KOEXISTENZ« im und um das Museum für Naturkunde Berlin (2019).

We will present the context of amateur libriarianship and custodianship of knowledge, from which the Memory of the World as a shadow library emerged. Following from there we will demonstrate how to create, maintain and share a collection of digital texts. We will show some of the circumvention techniques necessary to participate in the collective learning processes and commoning the digital. We will highlight the massive disobedient practice of sharing books and articles online. 

This practice has sprung up in response to the fact that the digital networks have made possible a radical expansion of access beyond geographic and economic divides, and yet the public libraries were denied from providing that access as a consequence of the limitations of copyright and the economic barriers in the economically uneven world of research and learning. Users digitizing, freeing, and sharing books and articles have stepped up to supplement what public libraries were not able to do. We will also highlight practices of pirate care that go along with digitizing, sharing, creating collections, and maintaining infrastructures of shadow libraries that we have called the custodianship.

We will show how creating a collection can be a political intervention by showing some examples of collections we have created and demonstrate hands-on how one can easily do it.

Marcell Mars is a research associate at the Centre for Postdigital Cultures at Coventry University (UK). Mars is one of the founders of Multimedia Institute/MAMA in Zagreb. His research Ruling Class Studies, started at the Jan van Eyck Academy (2011), examines state-of-the-art digital innovation, adaptation, and intelligence created by corporations such as Google, Amazon, Facebook, and eBay. He is a doctoral student at Digital Cultures Research Lab at Leuphana University, writing a thesis on Foreshadowed Libraries. Together with Tomislav Medak he founded Memory of the World/Public Library, for which he develops and maintains software infrastructure.

 

Tomislav Medak is a doctoral student at the Centre for Postdigital Cultures at Coventry University. Medak is a member of the theory and publishing team of the Multimedia Institute/MAMA in Zagreb, as well as an amateur librarian for the Memory of the World/Public Library project. His research focuses on technologies, capitalist development, and postcapitalist transition, particularly on economies of intellectual property and unevenness of technoscience. Together with Marcell Mars he coedited Public Library and Guerrilla Open Access.

Im digitalen Verbundensein halten wir uns gern für Gewinner eines Onlife-Lebensgefühls. Doch als User von Daten, Nachrichten und Waren leben wir in kommerziellen Netzwerkarchitekturen und sind ein Mittel zu anderer Leute geschäftlichen Zielen. Dadurch verliert die Stadt ihre historische Funktion als öffentlicher Raum und als common good. Die datengerechte, adaptive Stadt atomisiert soziale Zusammenhänge, zerstreut Verantwortlichkeiten und bewirtschaftet öffentliche Infrastrukturen im Interesse von Logistikfirmen und Finanzindustrie. Das Verhältnis von Stadt, Öffentlichkeit, Kunst und Kultur ist grundlegend neu zu erfragen.

Ausgehend von den komplexen und tiefgreifenden Transformationen der zeitgenössischen Stadt interessieren wir uns für Praktiken und Diskurse, in denen Theaterorte als Gemeingut und somit im Zwischen des abendländischen Gegensatzpaars von oikos (Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft) und polis (Stadt, Staat) erscheinen. Dazu werden Beispiele eines »von unten« getragenen, künstlerischen und experimentellen Einsatzes für Orte geteilter Verantwortung und Sichtbarkeit vorgestellt. Sie ereignen sich gegenwärtig vielleicht nicht zufällig in Rand- und Zwischenzonen des europäischen Kontinents. 

Prof. Dr. Ulrike Haß ist Theaterwissenschaftlerin, Dramaturgin und Autorin. Sie lehrte bis Herbst 2016 Theaterwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum, begründete das Jahrbuch für das Theater im Ruhrgebiet (20012011), initiierte den Masterstudiengang Szenische Forschung und hatte Gastprofessuren u.a. in Paris und Frankfurt am Main inne. Jüngste Veröffentlichung: Kraftfeld Chor. Aischylos Sophokles Kleist Beckett Jelinek, Berlin 2020.

Laura Strack studierte Theaterwissenschaft und Literaturübersetzen. 2020 promovierte sie am internationalen Graduiertenkolleg ›Europäische Kulturstudien‹ der Universitäten Palermo und Düsseldorf zum Thema Farsi comune. Topographien prekärer Theaterorte im Europa der Gegenwart. Als Übersetzerin überträgt sie theoretische und literarische Texte aus dem Französischen und Italienischen.

Die kulturelle Ordnung der Künste im Wandel

Der Covid-Lockdown im Kunst- und Kulturbetrieb hat ein Schlaglicht auf die gesellschaftliche Dimension von Kunst geworfen, indem er die Frage nach Zugänglichkeit radikal neu gestellt hat. Gleichzeitig ist aber auch sichtbar geworden, dass dies nicht einfach eine organisatorische Frage ist, sondern das Wesen der Künste selber tangiert – was passiert mit einem Konzert, das man streamt?

Ein interessantes Konzept, über Gemeinschaftlichkeit der Kunst nachzudenken, sind die Commons. Commons bezeichnen Gemeingüter, die von Gemeinschaften erzeugt und verwaltet werden – etwas Drittes zwischen Markt und Staat. Die Digitalisierung hat dieses in den 1960er Jahren bahnbrechende ökonomische Konzept radikal erneuert, und ist ein wichtiger Grund für seine Popularität heute. Was bedeuten die »digital commons« für die Künste heute? In welcher Weise sind Künste Teil der »cultural commons«, und wo liegen die Grenzen? In welcher Weise fordern digitale Phänomene wie Sampling, Streaming oder Peer-to-Peer Netzwerke die kulturelle Ordnung heraus, und was bedeutet dies für Künstler:innen – aber auch für Vorstellungen der Autonomie der Kunst, von Autorschaft und Werkbegriffen? Ein Vortrag über eine kulturelle Ordnung im Wandel.

Shusha Niederberger forscht und lehrt im Bereich Kunst, Kultur und Digitalität. Sie hat bildende und digitale Kunst in Zürich und Wien studiert, hat die Kunstvermittlung am HEK (Haus der elektronischen Künste) in Basel geleitet (201421), und unterrichtet zeitgenössische Netzkultur an der F+F Schule für Kunst und Design in Zürich. Sie war Teil des Forschungsprojektes »Creating Commons« (20172019, IFCAR, ZHDK), das digitale künstlerische Praktiken als Commoning untersuchte. Gegenwärtig schreibt sie an ihrem PHD zu User Data Praxis als Teil des Forschungsprojektes »Latent SpacesPerforming the Ambiguity of Data« (IFCAR, ZHDK). 

Aly Keïta wird einen Einblick in sein Musizieren geben, in welchem er mit enormer Virtuosität unterschiedliche musikalische Welten zusammenbringt und in diversen Formationen interkulturelle Verbindungen schafft – musikalische »Gemeinschaften« bildet. Das Balafon ist ein westafrikanisches Instrument des Griot (Geschichtenerzähler) und wird traditionell im gesamten zeremoniellen und rituellen Repertoire der Ma­dingue­-Länder gespielt. Es ist ein Vorläufer von Xylophon und Marimba und hat eine tausendjährige Geschichte. Heute spielt Aly Keïta das Balafon im Kontext westlicher Länder. 

Der Balafonspieler Aly Keïta wurde in Abidjan (Elfenbeinküs­te) geboren. Da auch sein Vater Balafonspieler war, brachte er schon in jungen Jahren sein »Spiel auf den Markt«. Mit anderen Worten: in der Familie Keïta ist das Balafon ein ernstes Geschäft. Aly Keïta baut und spielt seit seiner Kindheit seine eigenen Instrumente und hat es heute bis an die Seite der Besten geschafft: Rhoda Scott, Omar Sosa, Joe Zawinul, Pharoah Sanders, Paolo Fresu, Éti­enne M’Bappé, Paco Séry, Trilok Gurtu, Jan Garbarek und viele andere. Aktuell lebt Aly Keïta in Berlin. 

Jahrzehntelang war »das Projekt« die vorherrschende Arbeitsform der Kunst. Diese Loslösung von der Idee des »Werks« hatte gute Gründe: Weg vom marktförmigen Produkt, weg vom autonomen Künstlergenie, weg vom Abgeschlossenen und hin zum Prozess. Doch längst ist aus der künstlerischen Logik oft vor allem eine Antragslogik geworden: Statt langfristig und nachhaltig arbeiten zu können, hangeln sich Künstler*innen von Projekt zu Projekt…
Und so lässt sich seit einiger Zeit ein erneuter Wandel in der Arbeitsweise vor allem vieler politisch und sozial engagierter Künstler*innen beobachten: weg von temporären, prekären Kunstprojekten hin zu langfristigen Strukturen der Einmischung. 

Dieser Künstler*innen gründen Organisationen und Institutionen – aber nicht als Mittel zum Zweck. Vielmehr sind diese Organisationen selbst die eigentliche künstlerische Arbeit. Die Institution wird zur Kunst und die Kunst zur Institution. Handlungsräume und Einflussmöglichkeiten werden erweitert, aber auch ästhetische Möglichkeiten, wenn sich symbolische Praxis mit strukturellem Effekt verbindet.

Der Vortrag stellt sehr unterschiedliche artist organisations vor: Von Marina Naprushkinas »Büro für Antipropaganda« über die »School of Engaged Art« der russische Gruppe Chto Delat, Tania Brugueras »Instituto de Artivismo Hannah Arendt (INSTAR)« und Renzo Martens »Institute for Human Activities (IHA)« bis hin zu Yael Bartanas »Jewish Renaissance Movement in Poland (JRMiP)«, bis hin zur »Silent University« und der Wiener Wochenklausur.

Florian Malzacher ist freier Kurator, Dramaturg und Autor. 20122017 war er Künstlerischer Leiter des Impulse Theater Festivals davor sieben Jahre Leitender Dramaturg/Kurator des Festivals steirischer herbst. Als Dramatug arbeitete er u.a. mit Rimini Protokoll, Lola Arias (ARG), Mariano Pensotti (ARG) oder regelmäßig dem Nature Theater of Oklahoma (USA). Zuletzt erschienen u.a. Not Just a Mirror. Looking for the Political Theatre of Today (2015) und Empty Stages, Crowded Flats. Performativity as Curatorial Strategy (mit Joanna Warsza, 2017). 2020 erschien sein Buch Gesellschaftsspiele. Politisches Theater heute. Seit Anfang 2021 ist er Gastgeber der Reihe The Art of Assembly. Florian Malzacher lebt in Berlin.

We all have bodies, but as creators (musicians, composers, instrumentalists, dancers, conductors, teachers…) we often forget about the importance of this specific aspect as a performative. This Workshop will allow music instrumental and dance students, composition students and conducting students a chance to investigate the possibilities of diverse types of presence on stage through looking at embodiment studies. Music, gestures and drama are always intrinsically intertwined and over the course of the last century a new style has emerged: musical-gestural pieces. Written as music by a composer, these works feature prominent physical elements for visual aesthetics. We will examine the instinctive feel for movement which can guide our own works, through integrating other disciplines’ techniques and through looking into diverse systems of musical writing for movement used in pieces where the visual and choreographic aspects are just as important as the gesture producing the sound. By focusing on exploring the history and evolution of the other genres through the 20th century to today, we will see the changes in the study of movement, presence, the concept of notation and finally explore how we can better understand our role and the process of learning and performing a piece along with our expressive bodies. 

Winnie Huang is a Chinese-Australian violinist, violist, gestural performance artist and composer currently based between Belgium and France. An active performer of new music, Winnie is a founding member and solo violinist of Paris based new music ensemble soundinitiative and co-founder and member of performative duo LOOKOUT. As part of the Contemporary Leaders, Winnie is also currently co-curating the Lucerne Festival Forward.
She continually works with emerging and established composers, such as Jessie Marino, Bernhard Lang, Sivan Cohen Elias, Chris Swithinbank, Clara Iannotta, Michelle Agnes Magalhaes, Joanna Bailie, Charlie Sdraulig, Alexander Schubert, Carolyn Chen, Mauro Lanza and Peter Ablinger and regularly performs with international ensembles such as Nadar Ensemble (BE), lovemusic (FR), Down the Rabbit Hole (BE), Ensemble Linea (FR), Lucilin Ensemble (LUX), MAM (DE), and Australian ensemble Argonaut. Winnie frequently performs at international festivals such as Ars Musica, Donaueschinger Musiktage Festival, Musikfest Berlin, Manifeste, Lucerne Festival, Klang Festival, Festival Royaumont, Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik, Internationale Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt, Festival Automne, Ruhrtriennale, BIFEM, Brisbane Festival, Warsaw Autumn among others. 

Heutzutage sehen wir sie überall: digitale und weniger digitale Gruppierungen, die sich organisieren, um aus einem System auszusteigen, das im Zombie-Modus feststeckt und uns in ein Nullsummen-Wettbewerbsspiel zwingt. Man sieht aufstrebende, metamorphe Netzwerkkollektive, die darauf abzielen, kollaborative Umgebungen zu schaffen, die ein breiteres Spektrum von Wertbeiträgen und die gemeinsame Nutzung von Ressourcen für den Aufbau einer gemeinwohlorientierten Wirtschaft anerkennen.

The Sphere ist ein von Creative Europe finanziertes Forschungsprojekt zur Entwicklung einer digitalen Infrastruktur für die darstellenden Künste. Das Projekt ist inspiriert von den jüngsten Innovationen im Bereich der Distributed-Ledger-Technologien und des Web 3.0 (oder Blockchain) und ermöglicht den verschiedenen Akteuren des Kunst-Ökosystems (Künstler*innen, Kulturschaffenden, Publikum, Kulturorganisationen, einer Vielzahl von Sympathisant*inn und anderen potenziellen Interessengruppen) kreative Kooperationen zu initiieren und neue Finanzierungsstrategien umzusetzen.

Als transdisziplinäres Forschungs- und Kreativprojekt ist The Sphere ein Ort des wechselseitigen Austauschs zwischen künstlerischen Prozessen (Kunstströme) und Finanzierungspraktiken (Wirtschaftsströme). Es zielt darauf ab, eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit pragmatisch anzugehen: das Überdenken nachhaltiger Werteproduktion und -verteilung in einer Zeit tiefgreifender kultureller und ökologischer Veränderungen.

 

Erik Bordeleau ist Philosoph, Schriftsteller und Organisator der vor kurzem als Forscher an der NOVA-Universität Lissabon im Bereich Kino und Philosophie eingestellt wurde. Er hat mehrere Bücher und Artikel in verschiedenen Sprachen an der Schnittstelle von politischer Philosophie, zeitgenössischer Kunst, Weltkino, Blockchain-Kulturen, Finanzen und Medientheorie veröffentlicht und mit herausgegeben. Eine deutsche Übersetzung seines Buches über die Commons, Das Common des Komunismus. Eine Kartographie, ist Anfang dieses Jahres im Büchner Verlag (2021) erschienen. In Zusammenarbeit mit Saloranta & De Vylder entwickelt er The Sphere, eine Web 3.0-Infrastruktur für die Selbstorganisation in den darstellenden Künsten.

 

Olle Strandberg ist ein Regisseur und Künstler, der mit Zirkus als Ausgangspunkt arbeitet. In den 2010er Jahren war er Regisseur bei der Kompanie Cirkus Cirkör, wo seine Produktionen über 600 Mal vor einem weltweiten Publikum aufgeführt wurden. Insgeheim interessierte er sich zunehmend für die Krypto-Community, in der er sich irgendwo am Rand des dunklen Waldes verirrt hat. Dort ist Olle zum Gründer und künstlerischen Mitarbeiter der Firma Saloranta & de Vylder sowie zu einem der Initiatoren von The Sphere geworden. Heute ist er auf der Suche nach etwas, das ihn zurück oder vorwärts oder irgendwohin führen kann.

Marek Tuszynski, Mitbegründer und Kreativdirektor von Tactical Tech, wird über aktuelle und laufende Projekte sprechen, wie z. B. Technologies of Hope: 100 Responses to the Pandemic, eine kuratierte Auswahl von 100 Technologien, die als Reaktion auf die weltweite COVID-19-Pandemie entwickelt wurden; das Data Detox Kit, ein Leitfaden zur Verbesserung des Online-Datenschutzes, der digitalen Sicherheit und des Wohlbefindens, und Exposing the Invisible, ein Projekt über Techniken, Werkzeuge und Methoden digitaler und nicht-digitaler Recherchen. 

Tactical Tech ist eine internationale NRO, die mit Bürgern und zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammenarbeitet, um die Auswirkungen der Technologie auf die Gesellschaft zu erforschen und abzumildern.
Unsere Vision ist eine Welt, in der digitale Technologien zu einer gerechteren, demokratischeren und nachhaltigeren Gesellschaft beitragen können. Um diesen Wandel zu ermöglichen, untersuchen wir, wie sich digitale Technologien auf die Gesellschaft und die Autonomie des Einzelnen auswirken, und nutzen unsere Erkenntnisse, um praktische Lösungen für Bürger und Akteure der Zivilgesellschaft zu entwickeln. 

Laurent Chétouane, geboren 1973 in Soyaux, Frankreich, gehört zu den umstrittenen Regisseuren des deutschen Theaters und originären Künstlern der zeitgenössischen Tanzszene. In seinen Theaterarbeiten stürzt er Sehgewohnheiten nachhaltig um, indem er Texte, Gesten und Bewegung bewusst und wie fremdbestimmt ausstellt. Seit 2007 hat er mehrere Tanzstücke erarbeitet, u. a. »Tanzstück #1: Bildbeschreibung von Heiner Müller« (2007) und »Tanzstück #4: leben wollen (zusammen)« (2009) – ein Tanzstück, das sich mit der Frage nach Gemeinschaft auch auf der Ebene der Bewegung und des Tanzes auseinandersetzt. Seine gefeierte Inszenierung »Sacré Sacre du Printemps« wurde im Rahmen der Ruhrtriennale 2012 uraufgeführt. 2016 entstand das Stück »KHAOS«, 2019 End/Dance. Neben seiner Tätigkeit als Choreograf, Regisseur und Tänzer arbeitet Chétouane als Dozent und Gastprofessor an Universitäten in Deutschland und Europa. 

Die soziale Topologie der Stadt berührt stets die Frage nach der Teilhabe an räumlichen Strukturen. Innerhalb dessen artikuliert sich die Thematik, wie räumliche Ressourcen durch eine Gemeinschaft verwendet werden. Es ist bekannt, dass die seit den 1970er Jahren betriebenen Politik der Privatisierung und Individualisierung von Stadtraum zu einer zunehmenden Vernachlässigung des gemeinen Guts durch die öffentliche Hand geführt hat. Indes, die Ideologie es gebe keine Gesellschaft, die Menschen könnten sehr gut ohne Gemeingut auskommen, es gebe keine Klassen und die Welt sei ohne Konflikte scheint sich erschöpft zu haben. Die aktuelle Wohnungskrise ist eine raumpolitische Krise, die die Gesellschaft an ihr Limit gebracht hat. Entwertung von Arbeit, Zersiedelung des Territoriums und Verdrängung der unteren und mittleren Schichten aus den Stadtzentren in die periurbanen Peripherien lassen die Verstädterung das Land in unterschiedlichen Dichtegraden und Fluchtbewegungen überziehen. Der in der Stadttheorie noch stets (selbst von Rem Koolhaas) bemühte Gegensatz von Stadt und Land ist längst erodiert. Die Territorien, die von den urbanen Zentren ausgeschlossen sind, kleine und mittlere Städte, entdichtete rurbane Räume, liefern jene Orte an denen die Zersetzung der Mittelklasse statthat. Weder urban noch rural, machen sie die Folgen der raumpolitischen Ökonomie des freien Marktes sichtbar. Vor diesem Hintergrund nimmt der Vortrag die aktuell oft unter der Rubrik commons verhandelte Frage des gemeinen Gutes auf. Insofern es sich um eine historisch orientierte Bestimmung handelt, versuche ich vor allem die praxeologische Verfasstheit des gemeinen Gutes und dessen Relationalität in den Blick zu nehmen. Das soll die gegenwärtige Gemeinwohl-Debatte um eine raumtheoretische Dimension ergänzen.

Christopher Dell (Dr. phil. habil.) ist Städtebau- und Architekturtheoretiker, Komponist und Musiker. Dell war Professor für Städtebautheorie am Lehrstuhl Urban Design der HafenCity Universität Hamburg, am Lehrstuhl Städtebau der TU München und an der Universität der Künste, Berlin. Dell ist Leiter des ifit, Institut für Improvisationstechnologie, Berlin. Seit 2021 ist er Mitglied im Designbüro integral desingers, Paris.
Als Musiker und Komponist arbeitet Christopher Dell an der Schnittstelle zwischen zeitgenössischer komponierter und improvisierter Musik. Die FAZ nannte ihn den »größten Vibraphontechniker der europäischen Jazzgeschichte.« 

Marea Hildebrand wird über das Konzept von SoC, die Zukunft des Lernens und internationales Peer-to-Peer-Lernen aus ihrer Erfahrung als Gründerin der School of Commons sprechen.

Fire is Scary, ein Kollektiv von Musiker*innen und Künstler*innen, forscht im Rahmen der SoC zum Thema Übersetzung, welches sie
anhand von Musikaufnahmen, Performances, Workshops und Ausstellungen untersuchen. In ihrem Vortrag geben sie Einblick in ihre Arbeitsmethoden und Arbeitsweisen in der SoC Umgebung.

School of Commons (SoC) ist eine gemeinschaftsbasierte Initiative an der Zürcher Hochschule der Künste, die sich dem Studium und der Entwicklung von dezentriertem Wissen widmet. Wir fördern ein breites, integratives Verständnis von Wissen und konzentrieren uns auf Fragen der Organisation rund um die Produktion und Vermittlung von Wissen. Gegründet im Jahr 2016 als Raum für selbstorganisierte Bildung und Forschung, ist es unser Ziel, ein offenes Umfeld zu schaffen, das es einer internationalen Gemeinschaft von Künstler*innen, Designer*innen, Musiker*innen, Wissenschaftler*innen und Pädagog*innen ermöglicht, gemeinsam und in eigener Regie Wissenspraktiken zu erneuern, zu hinterfragen und zu diskutieren. 

Die Künstlerin und Musikerin Elsa M’Bala wird einen Vortrag über ihre Praxis im Bereich der Klangkunst anhand von fünf unterschiedlichen Tracks halten. Jeder Track beleuchtet eine andere Arbeitsmethode, die Elsa M’Bala in ihrer Produktion verwendet. Insgesamt ergibt sich so ein voll­ständiger Einblick in ihre vielseitige künstlerische Arbeit.

Elsa M’Bala geht von dem aus, was Eduard Glissant als Kreolisierung bezeichnet hat: der Prozess der Vermischung ver­schiedener bestehender Kulturen, um eine neue hybride Kultur zu schaffen. Jeder Track, der in diesem Vortrag vorgestellt wird, veranschaulicht ihre spezielle Arbeitsmethode, die durch die Verwendung von Klangsamples, die Aktivierung von Archiven und die Mischung von traditionellen und modernen Musikstilen gekennzeichnet ist. Traditionelle afrikanische Instrumente, Rap, House­ Music, ein Interview mit Eduard Glissant und Samples mit südafrikanischer Sprache verschmelzen zu einer neuen hybriden Denkweise. 

Eine Erörterung am Beispiel des »Robben Island Shakespeare«

 

Während der Apartheid in Südafrika reichten Nelson Mandela und andere politische Häftlinge auf der Gefängnisinsel Robben Island eine Ausgabe von Shakespeares Werken untereinander herum: den sogenannten »Robben Island Shakespeare«. In der Ausgabe strichen sie Passagen an, die sie für wichtig hielten. Am Beispiel des »Robben Island Shakespeare« zeigt der Vortrag, wie Macht Kunst zur Ausgrenzung gebraucht und welche Strategien Ausgegrenzte ergreifen, um Teilhabe an Kunst zurückzufordern und ins Werk zu setzen. Im Zentrum steht die Frage, wem Shakespeare gehört und wie er gelesen und gespielt gehört – als Vertreter einer eurozentrischen und kolonialen Sicht auf die Welt oder als Dramatiker universeller Werte und Erfahrungen.

Kai Wiegandt ist Professor für Literatur an der Barenboim-Said Akademie Berlin. Seine Arbeitsschwerpunkte umfassen postkoloniale Literatur und Weltliteratur, Migrationsliteratur, frühneuzeitliche Literatur und Kultur, literarische Anthropologie und die Berührungspunkte zwischen Philosophie und Literatur. Im Jahr 2014 wurde er zum Mitglied der Jungen Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gewählt, 2018 wurde er von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ins Heisenberg-Programm aufgenommen. 

Mara Genschel lebt als Schriftstellerin und Performerin in Berlin.
Seit ihr erster Gedichtband 2008 erschien, hat sie zahlreiche experimentelle Publikationsformen entwickelt. (Zuletzt die site-spezifische Broschürenreihe »Pretending to be in Dessau« für das Bauhaus Dessau.

Mit der zeitgenössischen Musik verbindet sie nicht nur ihr eigenes (abgebrochenes) Schulmusikstudium, sondern auch zahlreiche Arbeiten, in denen sie performativ ihre Rolle als »Publikum« reflektiertetwa in ihren SWR2 JetztMusik Sendungen (zuletzt: »Salon Dilletantisme«, 2020 und »How to celebrate a Meister«, 2021), ihrer Videoarbeit »Das narzisstische Publikum« oder ihrer geflüsterten Laudatio auf »100 Jahre Donaueschinger Musiktage«.

 

Im Rahmen des Seminars von Prof. Marita Tatari spricht sie über verschiedene Methoden des Sprechens im Modus literarischer Produktion. Improvisation, Partizipation, Konzept.

 mit Jürgen Essl, Tobias Wittmann, Rolf Goebel, Tim Strohmeier, Lars Schwarze, Marita Tatari

Improvisieren bezeichnet ein Spielen, das sich auf die Gegenwart einstimmt: auf die Mitwirkenden und auf den Moment, ohne darauf etwas Fertiges zu projizieren. Da sich Improvisation nicht im Voraus entwerfen lässt, geht sie mit einer Praxis einher, die bejaht, was ihr unverfügbar ist: Eine Praxis, die der gegenwärtigen Situation verantwortend entgegenkommt, ohne sie ihr unterzuordnen.

Wir werden über die Kunst der Improvisation sprechen: über das Maß, das ihr ihre Plastizität verleiht. Und wir werden über das diskutieren, was wir dem Geist der Improvisation heute entnehmen können – in einer Zeit, die vom Geist des Projekts und der Planbarkeit durchwaltet ist, und die zugleich aus den Fugen gerät.

 

Angesichts beispielsweise der Klimakrise, ist heute das Vertrauen in die Annahme, dass wir Menschen die Zukunft planen, die Welt beherrschen und die Natur unterordnen können, erschüttert. Wir sind mit unseren Grenzen konfrontiert. Können wir, statt zu planen, vielleicht etwas Wichtiges von der Improvisation lernen?

Antrittsvorlesung Prof. Dr. Christian Grüny

In ihrem wegweisenden Überblick über die Geschichte der Performance schreibt RoseLee Goldberg, dass sie »draws freely on any number of disciplines and media for materialliterature, poetry, theatre, music, dance, architecture and painting, as well as video, film, slides and narrativedeploying them in any combination«. Angesichts einer solchen Aussage und der radikalen Heterogenität ihrer Beispiele kann man sich fragen, was all dies zusammenhält und ob »Performancekunst« tatsächlich eine eigenständige Kunstform ist oder ob sie als Methode, als Bewegung oder als bestimmte Negation der jeweiligen künstlerischen Herkunft verstanden werden muss. 

Wenn Negation die richtige Kategorie ist, macht es einen großen Unterschied, ob etwas nicht Theater, nicht Tanz, nicht Musik, nicht Skulptur oder nicht Malerei ist. Aber selbst diese Negationen suggerieren eine zu große Einheit, wenn auch nicht in Bezug auf den Inhalt so doch in Bezug auf das Verfahren. Tatsächlich sind die Modi der Distanzierung von der jeweiligen Disziplin so verschieden wie das, von dem sie sich absetzen, und man müsste Abweichung und Dislokation zur Negation hinzufügen; überdies konvergieren die verschiedenen Bewegungen keineswegs. Um dieses Feld aufzuarbeiten, ist es notwendig nachzuzeichnen, wo eine performative Praxis herkommt und wo sie stattfindet, und die Kategorien des Materials und des Ortes werden zu zentralen Mitteln der Betrachtung.

Der Vortrag wird diese Ideen theoretisch und historisch ausarbeiten und an einigen Beispielen erproben.

Eine Buchpräsentation des Campus Gegenwart und des Instituts für Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Ästhetik/»Wissenschaft am Abend«

 

Der Musikwissenschaftler Jörn Peter Hiekel, Autor des neuen Buches über Lachenmann, im Gespräch mit dem Komponisten, Christian Grüny, Matthias Hermann und Andreas Meyer.

Aus dem Klappentext des Laaber-Verlags:

»Helmut Lachenmann gehört seit langem zu den prägenden Persönlichkeiten der Gegenwartsmusik, seine Werke werden weltweit gespielt, ihr Rang steht außer Frage. Die vorliegende Monographie zeigt auf der Basis eingehender Quellen- und Werkbetrachtungen, dass der Weg des Komponisten einerseits konsequent ist, aber die im Laufe von 60 Jahren entstandenen Werkkonzeptionen andererseits doch von signifikanten Differenzen, Prozessen der Öffnung sowie Neuansätzen getragen sind. Lachenmanns Schaffen weist dabei vielerlei Resonanzen und Reflexionen anderer kompositorischer Ansätze sowie von verschiedenen philosophischen Positionen auf.«

 

Jörn Peter Hiekel: Helmut Lachenmann und seine Zeit (Große Komponisten und ihre Zeit), Laaber-Verlag 2023, 46,80 €

 

Aus Anlass des Erscheinens im Frühjahr diesen Jahres berichtet der Autor über die Entstehung und Konzeption des Bandes. Am anschließenden Roundtable ist Helmut Lachenmann selber beteiligt.

Wir sind eingeladen, unser Konzept und unsere Praxis der sozialen Choreografie vorzustellen.
Um dies zu tun, müssen wir auch durch die letzten 20 Jahre blättern, um einen Weg durch all die anderen Praktiken zu finden, die erst in ihrer Kombination das ausmachen, was wir ’soziale Choreografie‘ nennen. In meinem Vortrag werde ich daher versuchen, in zwei Richtungen zu gehen: Die eine Richtung ist der Blick zurück, um zu zeigen, wie sich die Arbeit durch die Entwicklung von Prozessen und Kollaborationen entwickelt hat. Die andere ist ein Blick in die Zukunft, um zu sehen, was uns in dieser Praxis möglich erscheint. 

Die Arbeiten von deufert&plischke sind unbedingte Bekenntnisse zum partizipativen Prozess. Mit ihren spielerischen Regelsystemen, offenen Scores und Partituren entwerfen sie ihre ganz eigene Form der sozialen Choreografie. Kattrin Deufert und Thomas Plischke haben in ihren zwanzig gemeinsamen Jahren als Künstlerzwilling von Beginn an miteinander und mit anderen kooperiertihre Performances und transdisziplinären Werke entstehen stets im Dialog, stellen die Hierarchie zwischen Kunstschaffenden und Publikum in Frage und erschaffen neue Räume, in denen Platz bleibt für die Imagination der Beteiligten. 

In einer Ära, die von einem gesteigerten Bewusstsein für kulturelle Vielfalt geprägt ist, wird zunehmend erkannt, dass es notwendig ist, eurozentrische Vorurteile zu beseitigen, die historisch die Musikerziehung durchdrungen haben. Mit einem Fokus auf nicht-westliche musikalische Traditionen in den Bereichen elektroakustische und zeitgenössische klassische Genres zielt diese Präsentation darauf ab, die Herausforderungen und Chancen aufzuzeigen, die sich bei der Verfolgung eines inklusiven und kulturellem sensiblen Lehrplans ergeben.
 

Die Geschichte der zeitgenössischen klassischen und elektronischen Musik, wie sie an Universitäten und Kunstschulen gelehrt wird, ist offensichtlich voreingenommen und benötigt dringend ein umfassendes Update. Das Konzept der Dekolonisierung steht im Zentrum der vorgeschlagenen Lösungen.

 

Obwohl es Dokumentationen und Forschung zu diesen Themen gibt, ist es wichtig zu beachten, dass die Zugänglichkeit und Verfügbarkeit dieser Informationen variieren können und sich einige Studien, Websites und Geschichtsbücher oft auf sehr wenige Länder oder Regionen konzentrieren. Akademische Zeitschriften, Musik Publikationen und Universitäten Forschungszentren veröffentlichen oft Studien über nicht-westliche Musik, aber im Bereich der zeitgenössischen klassischen und elektronischen Musik bleibt dies ziemlich begrenzt.
Zusätzlich hat das Aufkommen digitaler Plattformen und Archive das Teilen von Aufnahmen und Informationen erleichtert. Für die aktuellsten und detailliertesten Informationen wird empfohlen, aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen, Musikzeitschriften und Online-Repositorien zu überprüfen und die Arbeit von Gelehrten, Institutionen und lokalen unabhängigen Forschern zu erkunden, die sich aktiv mit der Dokumentation und Erforschung nicht-westlicher elektronischer, elektroakustischer, experimenteller und zeitgenössischer klassischer Musik beschäftigen.

Aber für Nicht-Wissenschaftler sind diese Dokumente nicht immer zugänglich. Wie können wir die akademischen Kreise herausfordern, inklusiver zu sein und ihr Wissen breiter zu teilen?
Darüber hinaus wird die Präsentation die Integration kulturell relevanter Repertoires und die Förderung eines inklusiven Lern-Umfelds thematisieren. Das Ziel ist es, die Studierenden zu befähigen, die Vielfalt musikalischer Traditionen jenseits des westlichen Kanons zu erkunden und zu schätzen.

 

Cedrik Fermont ist ein belgisch/kongostämmiger Komponist, Musiker, Produzent, Autor und Labelbetreiber, der im Bereich Noise und elektronische und experimentelle Musik seit 1989 aktiv ist. Seine Kompositionen und Installationen bewegen sich zwischen Sound Art und elektroakustischer Musik, Noise und konventionellerer Tanzmusik.

Seinen Konzertreisen und Forschungen brachten ihn als Musiker und Vortragenden in mehr als 60 Länder in Europa, Asien, Afrika und Amerika. Er hat eine umfangreiche Datenbank mit asiatischer und amerikanischer experimenteller Musik aufgebaut (syrphe.com)

Hannah Arendt ist weithin als eine Denkerin des Handelns bekannt. Die Grundbedingung der Pluralität wird im Sprechen und Handeln vollzogen, und dies, so Arendt, sei »das Politische« schlechthin. Im Vortrag sollen diese Begriffe und Thesen im Rahmen von Arendts »Phänomenologie der Pluralität« erläutert werden. Der stärkste Zug von Arendts Handlungstheorie liegt darin, die Akteurs-Perspektive im Plural auszudeuten, dabei aber nicht auf ein Regelverstehen abzuzielen, sondern den Ereignischarakter des Handelns in einem offenen, durch plurale Perspektiven bestimmten Raum zu beschreiben. Arendt konzipiert damit einen klar abgegrenzten Begriff der Handelns, der die initiatorische Komponente im Vergleich zum bloßen Verhalten stark in den Vordergrund stellt.

Die Aristotelische Unterscheidung von poiesis und praxis aufnehmend, expliziert Arendt den intersubjektiven Vollzug von praxis zusätzlich als ein Überschussgeschehen weit über die möglichen Intentionen des/der Handelnden hinaus. Dieses Überschussgeschehen findet im Raum der Erscheinungen statt, wo die Handlung von anderen gesehen, beurteilt, erzählt d.h. verstanden werden und dadurch erst eigentlich erst als »Handlung« in Arendts emphatischen Sinn gelten kann.

 

Sophie Loidolt ist Professorin für Philosophie an der TU Darmstadt. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Phänomenologie, der politischen Philosophie, der Rechtsphilosophie und Ethik sowie in der Transzendentalphilosophie und der Philosophie des Geistes.

Joanna Warsza und Lydia Rilling im Gespräch mit Christian Grüny 

In einem gewissen Sinne ist die Aufgabe von Kurator*innen in Musik und zeitgenössischer bildender Kunst beinahe identisch: Künstler*innen und Arbeiten auswählen, Aufträge vergeben, überzeugende Festivals bzw. Ausstellungen zusammenstellen. Tatsächlich ist die Wirklichkeit aber sehr verschieden, etwa im Hinblick auf Außenwirkung, Produktionsweisen, beteiligte Institutionen und damit verbundene Rahmenbedingungen, die Einbeziehung diskursiver Komponenten und Politisierung. Die Frage, die im Gespräch den Vergleich leiten soll, ist: Was ist, was gilt als relevant? In welcher Hinsicht und für wen? Wie schlägt sich dies in der täglichen Arbeit nieder?

Joanna Warsza ist Kuratorin für bildende und darstellende Kunst sowie für Architektur. Sie studierte an der Theaterakademie Warschau Dramaturgie und an der Universität Paris 8. 2007 gründete sie die Laura Palmer Foundation, eine Plattform für unabhängige Kunst-, Performance-, Architektur- und Theorieprojekte, und leitete sie bis 2011. Warsza arbeitet vorwiegend im öffentlichen Raum und untersucht mit ihren kuratorischen Projekten soziale und politische Agenden, wie z. B. die Unsichtbarkeit der vietnamesischen Community in Warschau, israelische Jugenddelegationen in Polen und das Erbe der postsowjetischen Architektur im Kaukasus. Zuletzt war sie Leiterin des »Public Program« der Manifesta 10 in St. Petersburg (2014), kuratierte den georgischen Pavillon bei der 55. Internationalen Kunstausstellung, La Biennale di Venezia (2013) und war assoziierte Kuratorin der 7. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst (2012). Derzeit lehrt sie als Senior Lecturer am CuratorLab an der Konstfack in Stockholm. Sie lebt in Berlin und Warschau.

 

Lydia Rilling ist Kuratorin und Musikwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt zeitgenössische Musik und Musiktheater. Seit März 2022 ist sie die Künstlerische Leiterin der Donaueschinger Musiktage. Zuvor leitete sie seit 2016 das Festival rainy days und war Chefdramaturgin an der Philharmonie Luxembourg. In dieser Funktion gehörte sie 2017 auch zu den Initiatorinnen des red bridge project, das Bildende Kunst, Musik, Tanz, Theater und Performance verbindet. Als Autorin, Moderatorin und Journalistin war sie von 2005 bis 2016 für zahlreiche Institutionen tätig, u. a. für den SWR und die Berliner Festspiele. 2015 co-kuratierte sie das Programm »Thinking Together« des Festivals MaerzMusik. Von 2011 bis 2016 lehrte und forschte sie als Musikwissenschaftlerin an der Universität Potsdam. Zuvor war sie Visiting Scholar an der Columbia University in New York. 

Die vergangene Dekade war geprägt von politischen und sozialen Bewegungen in aller Welt. Parallel dazu sind zahlreiche künstlerische Projekte entstanden, die Formen der Versammlung nutzen, um mit den spezifischen Möglichkeiten des Theaters temporäre Gemeinschaften zu initiieren. Sie spiegeln Gesellschaft nicht nur einfach wider, sondern wollen auf sehr unterschiedliche Weise aktiver Teil ihrer Veränderung sein. 

Florian Malzacher ist Kurator, Autor und Dramaturg, sowie Gastgeber von The Art of Assembly, einer Serie von Vorträgen und Gesprächen über das Potential von Versammlungen in Kunst, Aktivismus und Politik (seit 2021). Zu seinen derzeitigen Projekten gehört u.a. Training for the Future (mit Jonas Staal, seit 2018). Er ist Mitherausgeber der Reihe Postdramatisches Theater in Portraits im Alexander Verlag Berlin. 2020 erschien sein Buch Gesellschaftsspiele. Politisches Theater heute. Seine Texte wurden in 15 Sprachen übersetzt. 201317 war er Künstlerischer Leiter des Impulse Theater Festivals (Düsseldorf, Köln und Mülheim/Ruhr), 200612 Leitender Dramaturg/Kurator des multidisziplinären Festivals steirischer herbst in Graz/Österreich, sowie 201820 kuratorischer Berater der Ruhrtriennale. Gastprofessuren, Lehraufträge, Master Classes führten ihn u.a. an Universitäten und Kunsthochschulen in Amsterdam. Berlin, Frankfurt, Gießen, Helsinki, Leipzig, Oslo, Taipei, Wien, Zagreb und Zürich.

Affirmation als Instrument der Kritik?

Dramatikerin Anne Lepper im Gespräch mit Professor Christian Grüny.

Anne Lepper ist Dramatikerin. Sie studierte Philosophie, Literatur und Geschichte in Wuppertal, Köln und Bonn. Mit ihrem Debütstück Sonst alles ist drinnen wurde sie 2009 zur »Langen Nacht der neuen Dramatik« nach München eingeladen und gewann dort den Publikums- und Förderpreis. 2010 nahm Lepper am »Forum Junger Autoren Europas« der Theaterbiennale »Neue Stücke aus Europa« in Wiesbaden und Mainz teil. Es folgten die Theaterstücke Hund wohin gehen wir, mit welchem sie zum tt-Stückemarkt des Berliner Theatertreffens 2011 eingeladen wurde, sowie Seymour oder ich bin nur aus Versehen hier, das 2012 in der Regie von Claudia Bauer am Schauspiel Hannoveruraufgeführt wurde und zwei Jahre später in Bern zur Schweizer Erstaufführung kam. Beide Texte wurden außerdem vom Westdeutschen Rundfunk als Hörspiele produziert. Mit ihrem Stück Käthe Hermann wurde sie 2012 erstmals zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen sowie zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin. In der Kritikerumfrage von Theater heute wurde Lepper zur Nachwuchsdramatikerin des Jahres 2012 gewählt.
Mit dem Stück Mädchen in Not gewann sie 2017 den Mülheimer Dramatikerpreis und wurde zur Dramatikerin des Jahres gekürt. Der Stücktext diente als Libretto für die gleichnamige Bearbeitung als Oper, die 2022 in Dortmund uraufgeführt wurde.
2021 kam ihr Frühwerk Hund wohin gehen wir am Staatstheater Darmstadt zur Uraufführung. Lepper ist Mitgründerin des PEN Berlin. Sie schreibt aktuell im Auftrag für das Staatstheater Stuttgart und das Schauspiel Essen. 

Statt den multiplen Teilungen zu folgen, die sich mit dem imperialen Kapitalismus Westeuropas im 18. Jahrhundert durchgesetzt haben, allen voran die Teilung zwischen Kunst und Politik, möchte ich vorschlagen, ästhetische Praktiken als Arbeit am und mit dem Sinnlichen zu verstehen. Statt zu fragen, ob das Resultat dann (autonome) Kunst, (heteronome) Politik oder Wissensproduktion ist, sollten wir den Akzent auf die Frage legen, ob sinnliche Praktiken gewaltvolle hegemoniale Aufteilungen bestärken oder ihnen etwas entgegensetzen. Handeln im Sinn von sich positionieren tun nämlich alle ästhetischen Praktiken – auch die allerkontemplativsten, die damit ästhetische Theorien und Praktiken der reinen Kontemplation als alternativlos fortschreiben. Die Frage kann deshalb immer nur sein: Für bzw. gegen wen und was handeln ästhetische Praktiken? 

Ruth Sonderegger ist Professorin für Philosophie und ästhetische Theorie an der Akademie der bildenden Künste Wien. Sie promovierte an der FU Berlin und unterrichtete danach mehrere Jahre am Philosophie-Institut der Universiteit van Amsterdam. Ihre derzeitigen Forschungsfelder sind: Konstitution und Geschichte der westlichen philosophischen Ästhetik (im Kontext der ursprünglichen Akkumulation), Praxistheorien, Cultural Studies, kritische Theorien des Racial Capitalism und Widerstandsforschung. 

In diesem Künstler*innengespräch teilt das britisch-deutsche Künstler*innenduo plan b (Sophia New und Daniel Belasco Rogers) ihre Beweggründe, Ergebnisse und Überlegungen bezüglich ihrer täglichen Praxis, persönliche Daten aufzuzeichnen. Seit über 20 Jahren zeichnen sie mit einem GPS-Gerät auf, wo sie sich aufhalten, und speichern ihre gegenseitigen Handy-Nachrichten. Aus diesen Sammlungen fertigen sie verschiedene Arten von Kunstwerken an: Performances, Drucke, performative Zeichnungen, Gravuren, Animationen, Videos und seit kurzem auch Teppiche. Diese grundlegende Praxis der Arbeit funktioniert außerhalb des Zeitrahmens von öffentlichen Aufträgen und Projektfinanzierungen. Daher werden plan b auch über die stetige Arbeit und Sorgfalt sprechen, die erforderlich ist, um eine solche Praxis über mehrere Jahrzehnte hinweg aufrechtzuerhalten. 

Wir laden herzlich ein zur Doppelpräsentation und zweier kürzlich erschienener Bücher:

 

New Music and Institutional Critique herausgegeben von Christian Grüny und Brandon Farnsworth

 

Das Nachleben der Künste. Von Kunst und Künsten zu Materialien und Ortenvon Christian Grüny

Der Campus Gegenwart lädt ein zur Präsentation und gemeinsamen Diskussion mit Daniel Martin Feige, Professor für Philosophie und Ästhetik an der ABK Stuttgart, Maria Huber, Wissenschaftliche Mitarbeit am Campus Gegenwart & künstlerische Expertise und Christian Grüny, Professor für Gegenwartsästhetik an der HMDK. 

 Antrittsperformance Prof. Britta Wirthmüller, HMDK

 

Diese Performance beruht auf Britta Wirthmüllers Versuch, einen Lebensabschnitt der Tänzerin, Choreographin und Pädagogin Ruth Abramowitsch Sorel nachzuvollziehen. Als deutsch-jüdische Tänzerin musste Sorel 1933 vor den Nationalsozialisten fliehen und lebte bis 1957 in Polen, Brasilien und Kanada im Exil. Britta Wirthmüllers Forschung über Sorel besteht aus persönlicher Erzählung, körperlicher Erkundung, Reenactment, Archivrecherche und dem Besuch von historischen Schauplätzen. Während sich zeitweise kaum Hinweise über Sorels Leben finden lassen, wird die Vorstellung, dass solche Spuren existieren, zu einem wichtigen Teil der Forschung.

Lina Lapelytė ’s performance-based practice is rooted in music and flirts with pop culture, gender stereotypes, aging and nostalgia. Throughout her artistic career Lapelytė has explored various froms of performativity, crossing genre boundaries while entwining folk rituals with popular music and opera formats, frequently using stylized expressions, grotesque and conceptual musicality.

Lina Lapelytė will discuss her most recent works including The Mutes, what happens with a dead fish?, Currents and Study of Slope as well as previous works such as Sun and Sea (Marina), Ladies, Pirouette and Play for the Parallels. The artist talk will be followed by a sound walk with the artist. 

Podiumsdiskussion: Künste lernen Stuttgart – die drei künstlerischen Hochschulen in Stuttgart, ihre Zusammenarbeit und ihre Rolle in der Stadtgesellschaft

Was für eine Rolle spielen die künstlerischen Hochschulen in unserer Gesellschaft? Wie ist ihr Selbstverständnis und wie werden sie gesehen? Was ist ihre Position in der Stadtgesellschaft Stuttgarts? Wie könnte diese aussehen? Und wie können die Hochschulen bei aller Verschiedenheit miteinander kooperieren? Diese Fragen werden wir bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion mit den Rektor*innen der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, der Akademie der Bildenden Künste, der Merz Akademie und dem Kulturamtsleiter der Stadt Stuttgart erörtern. Die Diskussion wird moderiert von Britta Wirthmüller und Christian Grüny, Professor*innen des CAMPUS GEGENWART. 

Podiumsgespräch mit:
» Prof.in Dr.in Eva-Maria Seng Rektorin der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
« Dr.in Barbara Eggert Rektorin der Merz Akademie Stuttgart
» Axel Köhler Rektor der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart
« Marc Gegenfurtner Amtsleiter des Kulturamts der Stadt Stuttgart
» Prof.in Britta Wirthmüller Professorin für Performance am CAMPUS GEGENWART der HMDK
« Prof. Dr. Christian Grüny Professor für Gegenwartsästhetik & Philosophie am CAMPUS GEGENWART der HMDK

In ihrem Vortrag »Das Paradox des Authentischen: ‚Richtige Unrichtigkeit‘ in der historischen Aufführungspraxis der Neuen Musik« untersucht Viktoriia Vitrenko unterschiedliche Perspektiven auf zeitgenössische Musik im Licht historischer Aufführungstraditionen, exemplarisch dargestellt am Beispiel von Arnold Schönbergs »Pierrot Lunaire«. Dabei legt sie ihren Fokus auf die häufig widersprüchlichen Anforderungen an Authentizität und Interpretation und zieht Parallelen zu den sozialpolitischen Dimensionen der Kunst. Zusätzlich fließen ihre praktischen Erfahrungen aus der Arbeit bei der InterAKT-Initiative ein: Hier zeigt Viktoriia Vitrenko, wie Aufführungspraxis gesellschaftliche Strömungen widerspiegeln und prägen kann.

Viktoriia Vitrenko ist eine vielseitige ukrainische Sopranistin, Dirigentin und Künstlerische Leiterin. Ihr Debütalbum »Szenen« (2019, AUDITE) mit Kammermusik von György Kurtág wurde mit dem Supersonic Pizzicato Award ausgezeichnet und erhielt Nominierungen für den Deutschen Schallplattenkritikpreis (PdSK-2019) und den International Contemporary Music Award 2020 (ICMA 2020). Als unabhängige Künstlerin war Viktoriia Vitrenko 2021 Artist-in-Residence an der »Cité internationale des arts« in Paris, gefolgt von einem Aufenthalt an der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart (2023/24). Sie ist Alumna des Projekts »InSzene Vokal« des Deutschen Musikrates für zeitgenössische Musik und wurde 2023 mit dem Michiko Hirayama Preis der Scelsi Foundation in Italien ausgezeichnet. Sie ist auch Mitbegründerin und derzeitige Mitkuratorin der InterAKT-Initiative, einem unabhängigen Kollektiv interdisziplinärer Künstler in Stuttgart.

In my practice I define the voice as the place where body and mind meet, as a hyperphysical movement that is constantly dancing. The voice manifest somewhere »in between the body« in form of thought, breath, state, sound, song and language. In this workshop I would like to facilitate a space, where participants can explore what the voice is and could be within their individual performative practice and within collective processes of creation. We will begin our days with durational collective practices of breathing, speaking, sounding and singing. We will continue to explore the making and the format of songs as sensual, poetic and political form of speaking.

In Kooperation mit dem Studio Neue Musik

 

Zum werk_statt_festival im Wintersemster 2024/25 begrüßt das Studio Neue Musik am 29.11. Chaya Czernowin mit ihrem Werk »The Fabrication of Light«. In diesem Rahmen ist die US-amerikanische Komponistin in der Vortragsreihe des Campus Gegenwart zu Gast. In ihrem Vortrag »What is maintained and what is changing: How growth happens Vortrag« gibt sie einen Einblick in ihr Werk und ihre ästhetischen Ansätze.

He Joe
Samuel Beckett
©SWR/Hugo Jehle, honorarfreiVerwendung im engen inhaltlichen, redaktionellen Rahmen mit genannter SWR-Sendung bei Nennung »Bild: SWR/Hugo Jehle«. SWR Baden-Baden, Historisches Bildarchiv, Tel. 07221/9293364, Fax -4600, E-Mail: Bettina.Reiss@swr.de

Württembergischer Kunstverein, Schlossplatz 2

 

Im Gespräch mit Gerard Byrne und Iris Dressler widmet sich der Campus Gegenwart diesen Mittwoch im Württembergischen Kunstverein frei nach dem Motto »Aufbewahren« Fragen der kuratorischen Praxis und dem Wieder-Zeigen von historischen Medieninhalten. Das Gespräch wird moderiert von Christian Grüny und ist für alle Interessierten, Studierende und Austellungsbesuchende offen.

In ihrem Workshop »Home Dance« untersucht Jee-Ae Lim, wie sich Tanz eigenständig, losgelöst von einem Körper bewegt und lädt uns ein, über Tänze zu meditieren; die verschiedene Orte, Zeiten, Sprachen, Kontexte und Körper durchqueren. Tanz wird als Strategie genutzt, um sowohl persönliche als auch gemeinsame Erinnerungen zu erkunden, die körperlich und mündlich übermittelt werden. Der Workshop eröffnet einen Raum, um über die Bedeutung von Erinnerungen nachzudenken, die im tanzenden Körper bewahrt werden.

Jee-Ae Lim (sie/ihr) ist eine aus Südkorea stammende Tänzerin und Choreografin, die in Berlin lebt. Sie hat in Seoul koreanischen Tanz studiert und am HZT der Universität der Künste Berlin in Solo/Dance/Authorship einen MA-Abschluss erworben. Mit ihrer eigens entwickelten choreografischen Ausdrucksform verbindet sie Elemente des zeitgenössischen und traditionellen Tanzes. Ihr künstlerisches Interesse gilt der Betrachtung des Körpers als Verwahrungsort kultureller Erfahrungen und Erinnerungen, der Tradition und Gegenwart, individuelles und kulturelles Gedächtnis, Mobilität und Heimat zusammenführt. Inspiration für ihre Arbeit ist ihre persönliche Diaspora-Erfahrung, die sie körperlich im Tanz zum Ausdruck bringt.

Die Performing Arts als ephemer Künste verweigern sich der Verewigung. Aber ihre Produzent*innen – Regisseur*innen, Choreograf*innen, Performer*innen – sammeln die Dokumente ihres Schaffens: Papiere, Fotos, Videos… In den freien Künsten steht die Gründer*innen-Generation aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert (ratlos) vor den Kisten, Kartons und Festplatten, denen sie ihr Lebenswerk anvertraut haben. Was bleibt wie für wen erhalten?

Das digitale Archiv der Freien Darstellenden Künste hat sich aufgemacht, diese Materialien sichtbar zu machen, Informationen und Dokumente zu sammeln, zu verknüpfen und sichtbar zu machen. Die Künste digital sichtbar zu machen ist auch Ziel von tanz:digital. Die Plattform verbindet Tanz- und Mediengeschichte mit aktuellen künstlerischen Arbeiten und Medienobjekten in einem digitalen Archiv. Zum Potential dieser Entwicklungen spricht Michael Freundt, Theaterwissenschaftler, Autor und Geschäftsführer des Dachverband Tanz.

In ihrem Vortrag »Digital Hauntings« wird Maria Huber mittels künstlerischer Beispiele die experimentelle theaterwissenschaftliche Kategorie von digitalen »Archiv-Performances« untersuchen. Dabei werden digitale Archive als interaktive und demokratisierende Handlungsräume beschrieben, die nicht nur das Potenzial bieten Erinnerung und Gedenken im Digitalen machtkritisch zu denken, sondern auch den Begriff des Archivs aus einer dekolonialen Perspektive zu aktualisieren.

Maria Huber ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Campus Gegenwart und beschäftigt sich in in ihrer Forschung mit digitalen Performances, mit Probenethnografie und Ideen des Neuen Materialismus sowie dekolonialen und queeren Theorien. Der Vortrag findet in Englischer Lautsprache statt, im Anschluss erfolgt eine offene Gesprächsrunde in der auch einzelne Begrifflichkeiten und Zusammenhänge noch einmal auf Deutsch erklärt werden können.

Thema des Vortrages sind Archiv und Archivierung im Digitalzeitalter, sofern dieses nicht zuletzt eines des intensiven und exzessiven Sammelns ist – nämlich des Sammelns von Daten. Zugleich sind digitale Artefakte weder rechtlich gut fassbar noch zeitstabil. Die digitale Verfasstheit von Überlieferung setzt somit sowohl das Archivpraktiken als auch Archivkonzepte unter Druck.

Dekoloniale Perspektiven auf den Ozean als flüssiges Archiv.

Der Ozean ist für die westliche Moderne ein zentraler Bezugspunkt: Als Projektionsraum für romantische Selbstentgrenzung, abenteuerliche Seefahrergeschichten oder die Eroberung der ‚neuen‘ Welt. Was aber, wenn wir den Ozean vor dem Hintergrund einer kolonialen Gewaltgeschichte auch als Un-Ort der Verschleppung und Entmenschlichung verstehen, nämlich als »Schauplatz der Unterwerfung«, wie Saidiya Hartman schreibt?

Ausgehend von zeitgenössischen installativen und performativen Arbeiten (u.a. Arthur Jafas AGHDRA, Isaac Juliens »Western Union: Small Boats«, Selina Thompsons »SALT«) geht dieser Vortrag der Frage nach, was es heißen könnte, diesen liquiden Schauplatz der Unterwerfung wiederaufzusuchen und den Ozean als flüssiges Archiv zu betrachten, das in sich die Spuren dieser Gewaltgeschichte trägt.

Staatsgalerie, Konrad-Adenauer-Straße 3032

 

CAMPUS GEGENWART bei der Langen Nacht der Museen in der Staatsgalerie

 

Performances von Jacob Altrock, Antonia M. Christl, Luana Gräbe, Christian Grüny, Patricia Paryz, Julian Sturz, Emilia Vogt, Vincent Welz, Magdalena Weniger

Kulturkabinett, Kissinger Straße 66a, 70372 Stuttgart

 

Ein performatives Format von und mit Studierenden des Masters Theorie und Praxis experimenteller Performance

 

Connecting through practice

Connecting through process

Connecting through response

Connecting through listening

Connecting through sharing

Connecting through ________

Wie verbinden wir uns mit unserer Umgebung, miteinander und mit den Prozessen, die uns bewegen? Connecting Through ist ein performatives Format, die den Moment des Austauschs in den Mittelpunkt stellt – zwischen Körpern, Materialien, Räumen und Zeiten.

 

Die Studierenden eröffnen einen Raum, in dem fluide und interdisziplinäre Arbeiten sichtbar werden. Prozesse hinterlassen Spuren, Dialoge formen sich, Impulse wandeln sich – alles bleibt in Bewegung. Über den Tag hinweg entsteht eine lebendige Kartografie künstlerischer Praktiken, die sich durch Begegnung, Zuhören, Teilen und Reagieren weiterentwickelt.

You have 5 minutes on stage, the audience is riled up and a little drunk – what are you going to talk about?

 

Drag is the art of transformation – not just between genders, but between tragedy and comedy, pop culture and high art, between states of being. It is also the flagship artwork of the queer community, and deeply rooted in politics, resistance and satire. In this intensive two day Drag & Story telling workshop we will be diving into the essentials of creating a drag persona and a drag act, communicating with your audience, and harnessing your presence on stage. What elements of surprise can you build in to your first drag performance? You have a big concept- now how do we communicate that to your audience?

Alexander Cameltoe is one of Germany‘s most prominent Drag Kings. His work ranges from performing at the Stuttgart Opera, writing and directing his own plays, hosting a monthly show in Berlin and touring internationally. He is known best for his theatrically gripping acts, and chameleon-like transformations.

 

Participants will be asked to prepare a mood-board of inspiration and a loose concept before beginning. For those interested in a deeper dive, Alexander will be teaching two Drag Makeup Workshops at the Weißenburg Queer Communiy Center in Stuttgart on the 10th and 11th (Masterclass and Beginner 101).

Ann Cotten wurde 1982 in Ames, Iowa, geboren und zog im Alter von fünf Jahren mit ihrer Familie nach Wien. Sie studierte Deutsche Philologie an der Universität Wien und schloss 2006 mit einer Arbeit über Konkrete Poesie ab. Bereits als Studentin trat sie bei Poetry Slams auf und veröffentlichte Gedichte und Prosatexte. Ihr erster Gedichtband »Fremdwörterbuchsonette« erschien 2007. Bekannt ist sie für spielerische Sprachexperimente, die Themen wie Philosophie, Sprache und künstliche Intelligenz behandeln. 2013 erschien ihr Erzählungsband »Der schaudernde Fächer«. Seit 2020 promoviert sie an der Freien Universität Berlin, war Junior Fellow in Wien und forschte in Hawaii. Seit 2023 gibt sie die Zeitschrift Triëdere heraus. Am Campus Gegenwart ist sie dem zweitägigen Workshop »Stilelemente und Elements of Style« zu Gast.

In ihrem Vortrag reflektiert Shannon Jackson, inspiriert von ihrem Essay »The Way We Perform in the New Now«, die Entwicklung und Veränderungen im Bereich der Performance Studies seit etwa 2012 bis heute. Jackson thematisiert die damalige Schwierigkeit, in der Musik und den darstellenden Künsten interdisziplinäre Austauschprozesse zu Performance zu finden. Dabei zieht sie eine Bilanz der letzten Jahre, insbesondere im Kontext der Pandemie, die neue Formen von ortsspezifischer Performance hervorgebracht hat, wie etwa Gesang in leeren Theatern oder Balkonauftritte in Italien.

Shannon Jackson ist Cyrus und Michelle Hadidi Professorin für Arts & Humanities und Vorsitzende der Kunstgeschichte an der University of California, Berkeley. Ihre Forschung konzentriert sich auf interdisziplinäre Zusammenarbeit in visuellen, performativen und Medienkünsten sowie die Rolle der Künste in sozialen Institutionen und gesellschaftlichem Wandel. Sie ist Autorin mehrerer Bücher, darunter Back Stages (2022), und leitet die Environmental Arts & Humanities Initiative an der UC Berkeley. Jackson erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. ein Guggenheim-Stipendium, und engagiert sich in vielfältigen Kunst- und Wissenschaftsorganisationen.

Was passiert im Zwischenraum zwischen Musik und Bewegung? Was für Formen gibt es abseits etablierter Genres? Mit was für Verfahren wird gearbeitet und kann gearbeitet werden? Wo trifft Unvereinbares aufeinander und wie wird damit umgegangen? Was ist die politische Dimension dieser Arbeiten? Ausgehend von den Arbeiten der Performer Jonathan Burrows und Matteo Fargion, die für eine Reihe von Workshops an der HMDK sind, geht die Tagung diesen Fragen aus künstlerischer und theoretischer Perspektive nach.

9:30 Uhr
Performance Jonathan Burrows & Matteo Fargion

 

10:00 Uhr
Introduction by Christian Grüny & Britta Wirthmüller

 

10:30 Uhr
Stephanie Schroedter: Research into Sound and Performative Movementfrom Translations and Transformations to Participatory Sense Making

 

11:30 Uhr
Coffee break

 

12:00 Uhr
Litó Walkey: The Way Writing Moves and How Movement WritesInstances of Language and Performance that Trace and Invite Affective Circulations of Sense and Self-drifting

 

13:00 Uhr
Lunch break

 

14:30 Uhr
Adrian Heathfield: Carrying Things Together/Gathering

 

15:30 Uhr
Eloain Lovis Hübner: Structuring Queering [?] the World. On Compositional Thinking in More-Than-Musical Contexts

 

16:30 Uhr
Coffee break

 

17:00 Uhr
Round table

Iris Dressler und Hans D. Christ vom Württembergischen Kunstverein Stuttgart im Gespräch über den WKV und sein Umfeld im Kontext der Stuttgarter Kulturszene.

Der 1827 gegründete Württembergische Kunstverein, der sich im Zentrum der Stadt Stuttgart direkt am Schlossplatz befindet, gehört mit seinen rund 2.500 Mitgliedern, einer Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche von über 1.700 qm, Werkstätten und einem Atelierhaus zu den größten Kunstvereinen in Deutschland. Sein gleichermaßen lokal wie global ausgerichtetes Programm, das immer wieder neue und ungewöhnliche Formen der Präsentation, Vermittlung und Partizipation auslotet, wird nicht nur in Stuttgart, sondern auch auf breiter internationaler Ebene beachtet.

Die Direktor*innen Iris Dressler und Hans D. Christ geben in einem Gespräch Einblicke in der Arbeit und die Verortung des WKV im Kontext der Stuttgarter Kulturszene.

Bild-Ton-Vortrag und Gespräch mit Prof. Julian Warner. 

Der Vortrag »Place is the Space« untersucht die Bedeutung des Ortes als konstitutives Moment künstlerischer Praxis. In Anlehnung an – und zugleich in Umkehrung von – Sun Ras Diktum »Space is the Place« verschiebt sich der Fokus von der utopischen Befreiung durch Kunst hin zur Bindung der Kunst an ihre jeweiligen Kontexte. Anstatt den Raum der Imagination zu privilegieren, wird das Primat des Ortes, der sozialen, historischen und institutionellen Bedingungen, in den Vordergrund gestellt. Ausgehend von drei konkreten Fehlentscheidungen aus meiner eigenen künstlerischen Laufbahn zeige ich im Vortrag, wie Irrtümer produktiv werden können, wenn sie als Symptome struktureller Spannungen gelesen werden. »Place is the Space« versteht sich damit als Plädoyer für eine transdisziplinäre Praxis, die nicht über den Kontext hinausstrebt, sondern ihn zum eigentlichen Ort des Denkens und Handelns macht.

Robin Bischoff im Gespräch mit Maria Huber. Er ist Zimmerer, Architekt, Künstler und Kulturmanager und seit 2014 Vorsitzender und Geschäftsführer des Wagenhalle e.V./gGmbH.

Der Wagenhalle e.V. hat seit 2004 eine einzigartige Produktionsstätte am Stuttgarter Nordbahnhof entwickelt und sich nach einer grundlegenden Sanierung und Erweiterung der Wagen­halle ab 2020 dauerhaft als Kunst- und Kulturzentrum in Stuttgart etabliert. Die ehemalige Wageninstandsetzungshalle von 1895, die beiden Atelierhäuser und der Neubau beherbergen 96 Ateliers, Studios und Werkstätten für 150 Kunst- und Kulturschaffende aus bildender und darstellender Kunst, Musik, Fotografie, Grafik- und Webdesign, Kunsthandwerk, Architektur, Baubotanik, kuratorischer Praxis sowie Film und Medienkunst. Der KVWH und seine Mitglieder bespielen den Projektraum mit einem vielfältigen und offenen Programm, nehmen eine aktive Rolle in der Quartiersentwicklung vor Ort ein und wollen in Zukunft einen lebendigen Stadtteil Rosenstein mitgestalten.

Führung durch das Hülsewig-Haus mit Franziska Stulle.

Franziska Stulle führt durch das Hülsewig-Haus, das einen umfassenden Einblick in das Leben und Schaffen der Künstlerin Nana Hülsewig gibt. Die Wohnung wird zur künstlerischen Gesamtinstallation: Alltägliche Artefakte, Gemälde, Video- und Kostümarbeiten sind in den Räumen ausgestellt und bezeugen Nanas Existenz und künstlerisches Werk.

 

Im Anschluss findet ein Gespräch zwischen Nana Hülsewig und Britta Wirthmüller statt.

Vortrag mit Prof. Nikola Lutz über ihre Arbeit als Mitgründerin und Vorsitzende des Stuttgarter Kollektiv für aktuelle Musik (S-K-A-M e.V.).

Prof. Nikola Lutz ist Saxofonistin, Komponistin und Mitgründerin des Stuttgarter Kollektivs für aktuelle Musik – S-K-A-M e.V Am Campus Gegenwart stellt sie das Netzwerk vor, das seit 2015 die freie Szene der neuen, experimentellen und improvisierten Musik in Stuttgart bündelt. S-K-A-M versteht sich als Plattform für zeitgenössische Klangkunst an ungewöhnlichen Orten und als Motor für eine lebendige, offene Musiklandschaft.

Keith Bernard Stonum und Martin Mutschler geben Einblick in die Idee, Geschichte und Arbeitsweise der Jungen Oper im Nord.

Das JOiN – die Junge Oper im Nord – ist die eigene Spielstätte der Staatsoper Stuttgart für junges Publikum. Hier wird Oper neu gedacht: als offenes Labor, in dem gesungen, geforscht und mitgestaltet werden darf. Das JOiN versteht sich als Schnittstelle zwischen großer Oper und jungem Musiktheater, zwischen Profis und Publikum, Zuschauen und Mitmachen. Keith Bernard Stonum und Martin Mutschler geben Einblick in die Idee, Geschichte und Arbeitsweise dieses besonderen Ortes für neues Musiktheater.

Melanie Mohren und Bernhard Herbordt im Gespräch über performative Infrastrukturen und künstlerische Interventionen.

Melanie Mohren und Bernhard Herbordt entwickeln seit 25 Jahren gemeinsam interdisziplinäre Arbeiten im Grenzbereich der Darstellenden Künste, sie kuratieren Kongresse und Festivals und sind im Bereich der künstlerischen Forschung aktiv. 2013 haben Herbordt/Mohren »Die Institution« als weit verzweigte Kunstanlage gegründet und arbeiten seitdem an einem erweiterten Theaterbegriff, in unterschiedlichen Formaten und Medien zu Institutionen und ihrer Aktualisierung. Zwischen Kunst und Forschung, Alltag und Bühne. 

Magdalena Weniger

Sirene -Stimme von schön bis gefährlich

 

Künstlerische Abschlussarbeit von Magdalena Weniger im Master Theorie und Praxis experimentelle Performance

Heusteigtheater, Heusteigstr. 45, 70180 Stuttgart

 

Künstlerische Abschlussarbeit von Magdalena Weniger im Master Theorie und Praxis experimentelle Performance.

 

Ausgehend vom Motiv der Sirene erforscht Magdalena Weniger in ihrer Masterperformance die Stimme als Wirkungsraum, als Ort von Verführung, Macht, Informationsweitergabe und Resonanz. In einer vielschichtigen vokalen Arbeit wird der mythologische Stoff neu erzählt: Die Sirene erscheint nicht als festgeschriebene Figur, sondern als wandelbare Stimme zwischen Klang, Körper und Bedeutung. Durch Vokalisierungen und Gesang entfaltet sich ein performativer Raum, in dem der Mythos zeitgenössisch befragt und sinnlich erfahrbar gemacht wird.